Montag, 21. Dezember 2009

Scheich Issa Al Nahyan foltert Getreidehändler

Der Bruder des Präsidenten der Vereinigten arabischen Emirate foltert auf dem Video unten einen afghanischen Getreidehändler. Der hatte ihn offensichtlich um etwas Geld betrogen. Das Video zeigt die amerikanischen Nachrichten aus dem Jahr 2004, nachdem der Fall publik wurde. Der Vorfall belastete seiner Zeit das Verhältnis zwischen den USA und den Emiraten. Führende Menschrechtler forderten die Einstellung der Handelsbeziehungen; eine utopische Bedingung. Der wegen Körperverletzung und Vergewaltigung angeklagte Al Nahyan stellt sich nun selbst als Opfer da (s. Spiegel #52, 19.12.). Er will die Tat unfreiwillig unter dem Einfluss von Drogen begangen haben und sei danach mit dem Video erpresst worden. Dass das Opfer mit schweren Verletzungen davon kam, gleicht einem Wunder.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Vorschlag zur Rettung des nächsten Jahrzehnts

Der letzte Spiegel bezeichnete das vergangene Jahrzehnt als das Verlorene. Gezeichnet von Terrorismus, Kriegen dagegen, Pandemien und Wirtschaftskrisen begehen wir demnächst das Jahr 2010. Zu guter Letzt zeigt sich in Kopenhagen das Unvermögen im internationalen Konsens nachhaltige Umweltpolitik zu betreiben und dadurch den Klimawandel aufzuhalten (siehe SPIEGELonline). Wir haben auf ganzer Linie versagt. Gerade moralisch schien es kaum möglich, die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu unterbieten. Und doch hat in mancherlei Hinsicht dieses bisherige 21. Jh. gezeigt: es geht noch schlimmer. Anstatt Völker auszulöschen, zerstört man heute den ganzen Planeten aus politischer Borniertheit und diplomatischem Nichtwollen und anstatt ordentliche Kriege zu führen lenkt man hinterhältig Flugzeuge in Gebäude oder sprengt Bahnhöfe in die Luft. Allen Toten voran ist ein noch größerer Verlust zu beklagen. Die Raffgier der Managementaristokratie hat die Weltwirtschaft in einen Käse aus Blasen und Löchern verwandelt. Und man lässt sie ziehen, im stillen Bewusstsein, dass nur sie es wieder richten können. Was wir dabei verloren haben ist unser Stolz. Wir sind uns selbst näher gekommen, als es uns lieb ist. Wir sind dem Leviathan näher gekommen. Das vorangegangene Jahrzehnt hat die fundamentalen Anschauungen von Hobbes' politischer Philosophie erschreckend real werden lassen; der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.
In diesem Klima ernüchternder Statistiken und bahnbrechender Mieseren ist ein kühler Kopf das wichtigste. Diesen Nutzend möchte ich einen Vorschlag machen zur Rettung des nächsten Jahrzehnts. Denn es ist noch nicht zu spät. Rekapitulieren wir dieses vergangene Jahr so taten sich insbesondere zwei Männer durch besonders taktloses Verhalten hervor. Indem sie die oben genannten Punkte ausdrücklich ignorierten oder sogar vermarkteten outeten sich die beiden als die großen Außerzeitigen, die sich in ihrer Arbeit von weltlichen Problemstellungen niemals beeindrucken lassen. Mein Vorschlag lautet also: Wir verbieten Roland Emmerich und James Cameron das Filme-Machen. Emmerich hat mit "2012" einen der schlechtesten Filme aller Zeiten gedreht und das unter einem Millionenaufwand. "Weltuntergangspornografie" schrieb der Spiegel über das Leinwandspektakel. Gerade ob seiner Ohnmacht gegenüber den weltpolitischen Fragen seiner Zeit wirft sich der einfache Bürger gerne in die Imagination der existenziellen Erfahrung eines Weltuntergangs. Emmerich bediente die Zuschauer mit der Fiktion selbst einmal Held zu sein. Nicht umsonst hatte die Hauptfigur in "2012" kein Profil. Emmerichs spektakuläre Materialschlacht hat den Tiefgang eines "Erika Sommer"-Romans von Bastei Lübbe. Mangels Qualiät, Originalität und auf Grund der dekadenten Umsetzung dieses Trivialstoffes bekommt Emmerich den Preis für das unnötigste Produkt des Jahres 2009.

James Cameron, der mit "Titanic" den erfolgreichsten und teuersten Film der Geschichte drehte, will in seinem neuen Projekt seine eigenen Rekorde brechen. "Avatar" hat Schätzungen zufolge "Titanic" in den Produktionskosten bereits weit überholt. Zwischen 250 und 300 Millionen US-Dollar soll der Film gekostet haben (Quelle: SPIEGELonline). 15 Jahre hat Cameron mit der Ausarbeitung verbracht. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Die vorab Kritiken der Presse sind im Verhältnis zum Aufwand der Produktion negativ ausgefallen. Vielleicht täuschen sich die Kritiker hier zum widerholten mal, wie es auch bei "Titanic" der Fall war.
Es lässt sich nun leicht ersehen, dass es nicht viel bedarf um den Planeten zu retten. Wenn wir die Produktionskosten von "2012" (200 Mio. $) und die von "Avatar" (~300 Mio. $) zusammennehmen und die Einnahmen dazurechnen (~500 Mio $ für "2012", Titanic nahm 1,8 Mrd. $ ein), dann wäre der finanzielle Boden für ein neues Jahrzehnt aufgebessert.
Also ich verzichte gerne auf Scheiße.

Montag, 14. Dezember 2009

Best Cup Design ever!



Irland/Cork

Claudia Roth - heute ab 22 Uhr im besetzten Redtenbacher Hörsaal

Heute abend wird die Bundesvorsitzende der "Grünen" Claudia Roth dem Plenum der streikenden KIT-Studenten beiwohnen.
Wer sich über Fr. Roth informieren möchte, findet auf ihrer Homepage zahlreiche Informationen.
Ab 22 Uhr heute am späten Abend wird die Abgeordnete im Redtenbacher - Hörsaal anwesend seind.

Weitere Termine während der Besetzung des Redtenbacher - Hörsaals kann man auf KITbrennt einsehen.

Geist-Soz Winterfest - Ein schönes Ding!

Hervorragender Abend am Samstag im AKK. Habe mich sehr gefreut, dass so viele Leute gekommen sind und so ausgiebig getanzt wurde.
Es gab einige Anfragen zur Playliste. Ich versuche sie hier in Auszügen wieder zu geben. Vor allem das "Tetris"-Lied fand großen Anklang =)).
An die Reihenfolge kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Vollständig ist sie auch nicht.

Faithless - Mass Destruction
Kohlbecker & Eilmes - Tabasco (Moguai RMX)
Dave Darell - Freeloader (Spencer & Hill RMX)
Deadmau5 - Ghost'n Stuff
Boys Noize - Let's Buy Happyness
Frittenbude - Zucker
Deickind - Hört ihr die Signale
Reel 2 Real - I like to move it (Fachschaftssong)
Parov Stelar - Hotel Axxos (Original Mix)
Kylian Mash - Discobitch
Ebony Bonez - The Musik (Yuksek RmX)
Utah Saints - Something Good (Ian Carey RMX)
Eyerer & Chopstick - Make my day (vocal club mix)
The Prodigy - Omen
Bodyrox feat. Luciana - What planet are you on (club mix)
Sebo Reed - Korobiki (Club mix edit -> Tetris Lied)


Noch eine Ankündigung. Da der Bildungsstreik noch immer keine einschlägige Wirkung zeigte ist zum Donnerstag eine große Demo angesetzt. Ab 14:00 Uhr wird von der PH Karlsruhe zum Kronenplatz marschiert.
Um zahlreiche Teilnahme wird gebeten. Die Masse machts!
Nähe Informationen gibts unter KITbrennt.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Geist-Soz Winterfest!





Am kommenden Samstag findet das Geist-Soz Winterfest statt. Es gibt: Bier, Bier, Bier, Pommes Würstchen und drei gute Dj's, die sich auf euch freuen; Caro, Nina und meine Wenigkeit.
Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten! Geboten wir alles andere...

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Köpfe...

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Gustav Doré - Pictures of Dante's "Devine Comedia"

"Bei den Asyrern war ein Lohn auf den Kopf des Feindes gesetzt; ein Soldat trachtete sich möglichst viele zu verschaffen. Auf einem Relief aus der Zeit des Königs Assurbanipal ist zu sehen, wie die Schreiber in ihren großen Zelten stehen und die Zahl der abgeschnittenen Köpfe verzeichnen. Jeder Soldat trägt sein Köpfe herbei, wirft sie auf einen gemeinsamen Haufen, gibt seinen Namen und seine Abteilung an und geht wieder. Die assyrischen Könige hatten eine Leidenschaft für diese Haufen.[...]
Ein möglichst großes Heer ist darauf aus, einen möglichst großen Haufen von toten Feinden zu bewirken. Die Verschränkung ergibt sich daraus, dass jeder Teilnehmer an einem Krieg immer zwei Massen zugleich angehört: Für seine Leute gehört er zur Zahl der lebenden Krieger; für den Gegner zur Zahl der potentiellen und wünschenswerten Toten." (Elias Canetti - Masse und Macht, S.76)

Freitag, 27. November 2009

Brender wird entlassen

Der ZDF - Chefredakteur Nikolaus Brender bekommt nach einer Abstimmung des Verwaltungsrates seinen Posten nicht verlängert.
"Der Vorstoß dazu kam von Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Bereits im Februar sagte er, das ZDF brauche einen Nachfolger für Brender. Vorgeblicher Grund: die schwachen Quoten der ZDF-Nachrichtensendungen. Wahrscheinlicher hingegen scheint zu sein, dass CDU-Mann Koch wie auch Stoiber die Unabhängigkeit Brenders auf die Nerven ging. Und die Macht, ihn abzulösen, haben die Parteipolitiker. Denn der Verwaltungsrat überwacht nicht nur den Intendanten, sondern stimmt auch über dessen Personalvorschläge ab.", schrieb SpiegelOnline heute. (siehe: Link)
Brender legte sich im Verlauf seiner Amtszeit mit Politikern der CDU und der SPD an. Was für Journalisten eigentlich ein Qualitätssiegel ist, gefiel vorallem dem Ex-Ministerpräsidenten Stoiber und Hessens Ministerpräsident Koch garnicht. Obwohl Brender bleiben würde und der ZDF-Intendant Markus Schächter angeboten hatte seinen Vertrag um 22 Monate zu verlängern. Nun hat der Verwaltungsrat dagegen entschieden. 9 Mitglieder des Rates sind Politiker der CDU, 5 davon Mitglieder der SPD. Nicht nur, dass sich führende Staatsrechtler über die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender Gedanken machen, es drängt sich geradezu die Frage auf, was an einem unabhängigen Chefredakteur so falsch sein solle. Offenbar liegt den beiden Inititatoren daran einen parteilichen Redakteur, egal welcher der beiden Großen dieser angehört, einzusetzten. Es sollte auch klar sein warum: von der SPD wird der Nachfolger unter diesen Umständen garnicht kommen können, von den kleineren Parteien schon zweimal nicht.
Brender stichelte bei der Elephantenrunde am Abend der Bundestagwahl die neugewählte Kanzlerin indem er ihr vorhielt, sie hätte doch auch der vorangehenden Einladung folgen dürfen, weil ihr die Kombattanten auch dort mit dem nötigen Respekt begegnet wären. Eine subtile und geistreiche Pointe, die den Herrschaften aus den christdemokratischen Reihen garnicht gefallen haben dürfte. Zumal die Kanzlerin damals nichts erwidern konnte, weil die Sendezeit bereits abgelaufen war. Solche Gesten haben Brender stets sympathisch gemacht und sollten unabhängig vom parteipolitischen Doktrinen Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien bleiben.

Anbei lehrt am Zentrum für angewandte Rechtswissenschaft des KIT ein führender Medienrechtler und ehemaliger Richter des OLG Karlsruhe "Öffentliches Medienrecht". Prof. Dr. Kirchberg. Ich kann die Veranstaltung nur empfehlen. Sie findet immer Freitags von 11.30 - 13 Uhr statt.

Ultimatum ist gesetzt...

Gestern abend war der Rektor des KIT im besetzten Benz-Hörsaal. Mit einem Solidaritätsbekenntnis war nicht zu rechnen. Es kam auch nicht dazu. Das relativ ernüchternde Ergebnis seines 10 minütigen Besuchs: er durchsieht die schriftlich dargelegten Forderungen der Streikenden, die innerhalb der letzten 2 Wochen ausgearbeite wurden, immerhin 9 Seiten Material. Er vertritt heute auf der Landeskonferenz der Rektoren allerdings nur, was er selbst unterschreiben würde, ergo nur einen Bruchteil der Forderungen.
2 Wochen Arbeit umsonst?
Man weiß es nicht.
Das war Punkt 1. Punkt 2 war; der Hörsaal müsse am Montag morgen zumindest für die regulären Veranstaltungen geräumt werden. Das heißt die Streikenden bekämen einen Raum zur Diskussion bereitgestellt, aber die offizielle Besetzung solle beendet werden. Kann er das verlangen? Wo doch die Forderungen anscheinend nicht in ihrer Dringlichkeit anerkannt wurden, bzw. nicht einmal den Weg in die höheren Instanzen finden? Sollte man da sein Druckmittel aufgeben, wo doch scheinbar noch keine Veränderung geplant oder stattgefunden hat?...
Allerdings; sollte man weiter besetzen, wenn mit allergrößter Sicherheit auch bei einer längerfristigen Besetzung die Zeichen zwar gesehen aber nicht erhört werden?
... Eigentlich ist das Unterfangen über eine bloße Zeichensetzung nicht hinausgekommen... oder immerhin...
Als weiteres Positives darf man eingestehen, dass sich zumindest die vormals inhomogene Masse der Streikenden nun konsolidiert hat. Vielleicht bleiben die Arbeitskreis als Diskussionforen erhalten. Von den angesprochenen Problemen sind einige auch "zeitlos" und immerwährend klärungsbedüftig.

Montag, 23. November 2009

Waschsalon - EUKLID Treff im Z10

Am kommenden Sonntag findet die Premiere des "Waschsalons" statt. Studierende des Faches "EUKLID" sind eingeladen ab 18 Uhr im Z10 dem Tagesgeschäft des Diskutierens nachzugehen oder einfach ihr Feierbedüfnis auszuleben.
Es gibt: Musik, Bewirtung, Diskussionen, Wein, Karaoke, Kuchen und nette Leute mit denen man in den Seminaren meistens nicht bis zu Ende diskutieren kann, weil die Zeit nicht reicht. Diesmal gibt es kein Ende, oder das Ende ist erreicht, wenn keiner mehr richtig reden kann.
Es sind bestimmt auch die ein oder anderen Dozenten dort.

Für Fragen darf man sich gerne an die Emailadresse: "euklids.waschsalon@googlemail.com" wenden.

Ansonsten gilt 29.11. ab 18 Uhr im Z10. Man sieht sich!

The Prodigy !!!

Feierten am letzten Samstag in der Europahalle Karlsruhe ein Hammerkonzert.
Was soll man da noch sagen! Schade dass im Video keine Musik zu hören ist. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Musik das Blitzlichgewitter nur noch schickiger machten... Wer einmal live "Outta Space" hören durfte, weiß wovon ich spreche. Kann mir nicht vorstellen, dass sich in der Halle jemand nicht zum tanzen mitreißen lies. Sogar auf den Tribünen gings da rund...
Geiles Konzert und jeden Cent wert.


video

Noch eine Ankündigung:
Am kommenden Donnerstag den 26.11. spricht der Bestsellerautor Richard David Precht im Audimax am KIT Karlsruhe über die "Einheit des Wissens".
Ab 18 Uhr gehts, im Rahmen des 20. Geburtstages des Zentrums für angewandte Kulturwissenschaft, um Mensch, Technik und Gesellschaft.
Für nähere Informationen rund um den Festakt siehe: Link

Samstag, 21. November 2009

Live Bericht aus dem besetzten Benz-Hörsaal in Karlsruhe

Auf Grund der Umstellungen der Studienordnungen im Zuge der Bologna-Reformen ist seit dem letzten Mittwoch am KIT (Karlsruher Institut für Technology) der Carl-Benz-Hörsaal besetzt. Aktuell tagt hier der Arbeitskreis "Geistes-Sozialwissenschaften", der versucht die Folgen der Reform für die sowieso als Randerscheinungen bekannten Studienfächer abzuwägen und Vorschläge für eine Reorganisation der Fakultät selbst und für die Neuverortung innerhalb des KIT zu erarbeiten.
Es sind einige hervorragende Ideen in den letzten 2 Stunden entstanden. Darunter wurde klar gemacht, dass vom KIT, deren Rektor die Wichtigkeit der Fakultät unterstrich, auch verlangt werden muss diese Haltung deutlicher zu zeigen. Wenn das KIT auf die Geistes-Sozialwissenschaften nicht verzichten will, muss es die Möglichkeiten schaffen, dass sie das Angebot und die Bedingungen des Studiums durch klare Zeichen versucht zu fördern. Eine Möglichkeit wäre, das mangelhafte Lehr- und Raumangebot für die Germanistik zu verbessern. Für fast alle Studienfächer der Fakultät sollte die Regelstundienzeit formal auf 7 Semester erhöht werden. Im Moment sind es 6 Semester, die fast niemand einhält und bei Überschreitung dieser Grenze den Anspruch auf BarföG verliert. Zumal damit verhindert werden soll, dass man in die Verlegenheit kommt zu erklären, warum man die Regelstudienzeit nicht eingehalten hat. Dass das fast allen so ging, dürfte für einen potentiellen Arbeitgeber kaum Relevanz haben.
Im Augenblick finden drei weitere Arbeitskreise statt.
Die nächste Sitzung des Arbeitskreise "Geistes-Sozialwissenschaften am KIT" findet am kommenden Dienstag den 24.11. um 17 Uhr statt. Wer hier am Gespräch teilnehmen möchte ist eingeladen. Auf der Seite Kit-Brennt gibt es weitere Informationen zu Sitzungen und Aktionen im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreikes die hier am KIT stattfinden.
Ein Kommilitone hält auf seinem Blog Interessierte auch auf dem Laufenden: Link

Wer sich über Dimension, Ursprung und Programm des aktuellen Bildungsstreiks informieren will, dem rate ich einfach mal vorbeizuschauen. Die Hörsaalbesetzung ist angesetzt bis mindestens zum 1.12. Sofern nicht zuvor eine Räumung oder konstruktive offizöse Stellungnahme die Vorgänge frühzeitig beenden.

video

Für weitere Informationen: Bundesweiter Bildungstreik

Anbei muss ich mich allerdings hier nochmal deutlich von einem Großteil der Streikenden distanzieren. Allzuviele Beiträge haben das Niveau von einseitigem Populismus. Wer in diesem Zusammenhang die Kampfbegriffe irgendwelcher zurückgebliebener Linksradikaler adaptiert hat das Thema verfehlt (so der Redner am Dienstag auf der Demonstration). Viele nutzen die Verhältnisse für ihre universalen Antibewegungen. Teilweise taucht auch das infantile Jargon der 68er Generation auf. Das entbindet mich jetzt von der Pflicht mich damit auseinander zu setzten. Das ist epigonal und stupide und verschleiert die eigentlichen Probleme.

Hingucker


Einfach nur genial

"Sick Girl"

Irgendwie kann man zu diesem Filmchen aus der "Masters of Horror"-Reihe nichts sagen. Damit wurde allerdings schon etwas gesagt und nun sollte man darlegen warum dieser Widerspruch hier auftaucht. In "Sick Girl" kommen die Fans gepflegter Gorefilme nicht auf ihre Kosten. Es wird nicht übertrieben gemetzelt und am Ende des Films müssen lediglich zwei Menschen beerdigt werden. Bei einer Spielzeit von nur 57min ist der Film streckenweise sogar ziemlich langatmig. Immer wieder tauchen Elemente auf, beispielsweise heitere Popmusik, die deplaziert wirken und die negative Grundstimmung ruinieren. Dafür ist die Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen beachtlich. Gerade Angela Bettis spielt eine lesbische Insektenforscherin sehr stark. Schrullig und nerdy, wie eine Insektenliebhaberin nur sein kann, verliebt sie sich in Misty, die den ganzen Tag im Eingangsbereich ihres Labors abhängt. Auch Misty hat ordentlich eine Schraube locker. Und so freut man sich für beide, dass sie den Weg zueinander gefunden haben. Die Beziehung läuft prima, bis Ida (Angela Bettis) merkt, dass ein Prachtexemplar ihrer häuslichen Insektenzucht verschwunden ist; ein Tellergroßes aggressives Vieh. Kurze Zeit später wird der Nachbarshund vermisst. Insektenphobiker erreichen hier vermutlich sehr schnell ihre Schmerzensgrenze. Ich rate denjenigen die auch nur einen Hang zur Phobie haben von "Sick Girl" nachdrücklich ab. Auch alle anderen werden sich ihr Kopfkissen nach dem Film zweimal ansehen. Damit hätte der Film seinen Anspruch auch schon erreicht. Eine kurzweilige Unterhaltung!







Samstag, 14. November 2009

Heideggers Auseinandersetzung mit Descartes

In Heideggers "Sein und Zeit" begegnet uns eine der interessantesten Auseinandersetzungen mit Descartes' Ontologie. Heidegger erörtert über drei Wege die Unzulänglichkeit des cartesischen Denkens. Zunächst folgen wir der Auseinandersetzung Heideggers mit der cartesischen Differenzierung von Natur und Geist (SuZ, S.89 f.). Descartes versteht die Natur als substantia. Darin verstecke sich bereits eine Vermischung der Substanzen als Seiende und der Substanzialität als Selbstseiende. Diese Doppeldeutigkeit versteckt sich bereits im aristotelischen Gebrauch von "substantia".
Bei Descartes ist die Substanz definiert als "res corporea" und als diese bestimmt durch die Eigenschaft der "extensio". Das bedeutet, Substanz trägt immer schon mindestens das Attribut der Ausdehnung. Das aber etwas ein Attribut tragen kann setzt schon das in-der-Welt-sein vorraus. In-der-Welt-Sein selbst ist allerdings eine ontische Qualität und noch keine ontologische. Das In-der-Welt-Sein hat als Seinsmodus die Zuhandenheit. Extension ist eine Eigenschaft der Zuhandenheit eines In-der-Welt-Seinenden Dinges. Es ist für uns erschließbare und zuhandene Substanz. Wir erfahren das Zuhandene im Weltzusammenhang. Damit fehlt der Substanz allerdings noch immer wesentliche Eigenschaften des Seins. Zumal gleichwohl Sein sein kann ohne Extension.

Ich versuche mir über ein paar wenige Grundgedanken des heideggerschen Denkens klar zu werden, die ich in meiner Studienarbeit nicht verwenden kann. Daher werden in den kommenden Tagen vermnutlich noch einige solcher paraphrasierten Schnipsel aus "Sein und Zeit" hier zu lesen sein.

Montag, 9. November 2009

Kleine Flash Anwendung

Leider werden die Buttonfunktionen anscheinend unterdrückt, keine Ahnung weshalb.






Hier kann man sich die Applikation in voller Größe und mit Submenüs ansehen.

Donnerstag, 5. November 2009

Maxim Biller - Der (nicht) gebrauchte Jude

Prima facie ist Maxim Billers Selbstporträt "der gebrauchte Jude" eine Gesellschaftsstudie, über das Jude-Sein in Deutschland. Auf den zweiten Blick allerdings entpuppt sich dieses Dokument als Quellentext einer besonderen Art von zwanghafter Selbstreflexivität. Zugegebenermaßen ich habe dieses Buch nicht zu Ende gelesen. Mal abgesehen davon, dass ich es für anmaßend halte zu glauben man müsse mit 49 Jahren eine Autobiografie vorlegen, zeichnet sich dieses Dokument streckenweise durch einen ekelhaften Egozentrismus aus.
Nach der folgenden Passage zwang ich mich noch 20-30 Seiten zu lesen und merkte: hier hat sich ein krampfhaftes Ich ein eigenes Brett vor den Kopf genagelt und wendet höchstenfalls zwei grobe Schablonen auf eine ganze Gesellschaft (und über drei Generationen hin) an.



"Und Juden, die noch da waren, wenige unsichtbare Geschäftsleute, Ärzte und deren Kinder, die jedes Jahr am 9. November kurz im Fernseher erschienen, als kleine, dunkle Menschengruppe vor einer riesigen Menora oder einer dramatischen hoch aufgehängten Schiefertafel mit kaum lesbaren hebräischen Buchstaben. Es regnete und war windig, und sie hielten sich an ihren Regenschirmen fest, und dann wurden sie weggeweht und tauchten erst am 9. November nächsten Jahres auf. Jemand wie ich war in Deutschland nicht vorgesehen. Wenn man mich fragte, was ich bin, sagte ich:"Ich bin Jude." Ich sagte es, weil es so war, und es wunderte mich, dass es die anderen verwirrte. Das merkte ich daran, dass sie sofort das Thema wechselten, gerührt lächelten oder leise erwiderten; "Ach so". Es störte sie nicht, manche interessierte es sogar. Und es war nie ein Hindernis für eine Freundschaft zwischen ihnen und mir, dem Besucher aus einer Zeit, die im Januar 1933 auf Wunsch von 33 Prozent der Deutschen zu Ende gegangen war." (S.12)

Die meisten Menschen, egal welchen Ursprungs, die seinen Intellekt haben, würden auf die Frage, was sie seien (zumindest vermutlich) antworten: Weltbürger, Mensch, Denkender. Hier verfängt sich jemand im Jude-Sein ohne dass er es müsste. Wer glaubt in Deutschland nicht vorgesehen zu sein, hat seinen Ort glaube ich noch nicht gefunden. Dass das auch Deutschen so geht, braucht hier eigentlich nicht angemerkt zu werden. Dass das auch kein exklusiv jüdisches Phänomen ist, haben mindestens Broder und Reich-Ranicki gezeigt.
Der ironisch-unironische Stil (dieser Ausdruck kommt von ihm) dieser Passage, wirkt künstlich und plagiativ.

Biller scheint sogar einige Kurzgeschichte geschrieben zu haben, die in einer ironischen Pointe enden (z.B. diese hier). Ich fürchte, dass diese Ironie auch in seinem Selbstporträt so beißend ist, dass sie die Obergrenze des Witzes bereits überschreitet. Sie ist kaum noch Ironie, ihre kritisches Anliegen liegt so blank, dass sie ihr humoristisches Element verliert. Wer über sich so schreibt, der steht metaphorisch gesprochen mit dem Kopf zur Wand. Es ist ein Anzeichen, dass es ihm nicht gelingt Kraft intellektueller Leistung sich selbst zu therapieren. Biller nutzt allerdings scheinbar sein geistiges Organon um diesen Umstand zumindest auszudrücken. Was dabei entsteht ist leider keine Ironie mehr, sondern entblößt diese krasse Unfähigkeit.
Warum nicht eine offene Kritik an der Gesellschaft schreiben? Mangelt es da an den nötig hard facts?

Die Ironisierung der Reibungen des eigenen Ichs gegen eine Gesellschaft, in der eine solche Situation de jure verboten und faktisch fast unmöglich ist, ist Symptom und Prädikat einer Sache, die man getrost Egomanie nennen darf.

In Billers Fall ist zudem offensichtlich: Wer sucht der findet. Biller suchte Diskriminierung, er fand sie. In einem solchen Fall ist psychoanalytisch fast klar, wer nicht findet, der imaginiert. Vermutlicht liegt es daran, dass es nichts zu findet gibt, dort wo Biller sucht. Ich meine damit, dass ich grundsätzlich ausschließe, dass man in dem Milieu, von dem er redet, offensichtlichen Rassismus findet. Die häufigsten Rassismen auf die man in Deutschland trifft sind gekennzeichnet durch hohle Phraseologie, abgedroschenen Symbolismus und veraltete Kampfbegrifflichkeit (gleiches gilt im übrigen für die dogmatische Linke). Diesen Rassismus braucht man nicht mehr als seriöse politische Alternative aufzufassen. Man darf ihn getrost als substanzlosen Schwachsinn bezeichnen. Wer dem nicht glaubt, hat nur Angst die rechte Intelligenzjia könnte durch versteckte Subtilität wieder zu "alter" Strahlkraft zurückfinden. Ein kurzer Blick hinter die Kulisse einer solchen "Bewegung" entblöst die Protagonisten und zeigt ein niederschmetterndes Bild von Figuren, die keine ernstzunehmenden Gegner im Kampf um die Demokratie sind. Es zeigt sich dass man dort Ressentiments adaptiert hat, deren Feindbilder es garnicht mehr gibt (Seit den enormen Massenbewegungen nach dem 2. Weltkrieg, dürften 90% der Deutschen einen Migrationshintergrund haben). Sich mit diesem Thema länger zu befassen heißt in erster Linie Zeit zu vergeuden und den Blick für wesentlichere postideologische Problemfelder (MultiMedien, Demografie, säkularisierte Wirtschaft, Lobbyismus, Parallelgesellschaften) zu verlieren. Das dürfte Biller passiert sein. Vermutlich weil er kategorisch ausschließt, dass seine Probleme im Kern Ursprung einer zeitaufwendigen Persönlichkeitsstörung sind, der er sich hingebungsvoll widmet.
"Ich bin Jude und nichts als Jude, weil ich wie alle Juden nur an mich selbst glaube..." (S.12), schreibt Biller. Ich bin mir sicher, dass nicht alle Juden nur an sich selbst glauben oder versuchen sich so krass zu distinguieren. Biller ist anders, besonders, weil er besonders sein will, und das ist unabhängig von dem was er ist oder glaubt zu sein: einfach nur ekelhaft nervig.
Wer ein so labiles Feingespür hat wie Maxim Biller, oder anders gesagt, wessen Kritikfähigkeit auf so dünnem Eis angesiedelt ist, der kann nur ins kalte Wasser fallen. Hier täte einem Biller fast Leid, wäre er nicht so unglaublich arrogant.
Anbei leistet der Text zum historischen Verständnis der dt. Nachkriegsmentalität überhaupt keinen Aufschluss.





(Wer genau darauf achtet, nimmt wahr, dass Biller im Video in einen sehr künstlichen nasalen affektierten Tonfall umschwenkt. Diese Geste weist ihn spätestens jetzt als einen Schwergewichtsschattenboxer aus.
Unter dem Video steht bei Youtube.de folgender Kommentar:
Autor: tjb1982
"Worauf will Biller eigentlich hinaus? Wenn keiner seine Texte liest, soll er spannender schreiben. Statt dessen soll die deutsche Kultur schuld sein, die seine Bücher nicht versteht. Ist ein bißchen armselig.")


(Dieser Kommentar ist zu einem großen Teil die Frucht der intensiven Gespräche mit Simon S. und Roman S.. Dank euch beiden =))

Dienstag, 3. November 2009

Spiegel Nr.45 vom gestrigen Montag 02.11.09

Ich würde gerne zwei Artikel empfehlen, die in der neuesten Spiegelausgabe abgedruckt sind. Zum einen von Richard David Precht über die Fehde zwischen Sloterdijk und Honneth. Precht zieht genau das gleiche Fazit, wie in meinem Post über die Geschichte vom Anfang des Monats. Allerdings denke ich, er irrt, wenn er meint die Philosophie solle massenkompatibler werden. Mit Sloterdijk, als Bestsellerautor, ist sie mainstream genug geworden, um in diesem Ausmaß missverstanden zu werden.
Der zweite Artikel folgt direkt im Anschluss. Henryk M. Broders Kandidatur zur Präsidentschaft des Zentralrats der Juden. Nach der überflüssigen Autobiografie von Maxim Biller ("Der gebrauchte Jude") schreibt hier mal endlich jemand mit Charme und Selbstironie über seine Herkunft und über die dt. Geschichte. Henryk Broder hat immer wieder durch öffentliche Briefe vom und übers Judentum in Deutschland mehr zur dt. Selbstfindung beigetragen als Friedman und Co. Und damit meine ich nicht zum Vergessen, sondern zum distanzierten Zurückschauen und objektiven Resümieren, ohne Scham, ohne geheuchelte Sentimentalität und ohne falsches Taktgefühl.
Diese "Generation", die nun 60 Jahre nach 1945 darüber nachdenken und wissenschaftlen darf, sollte ihm danken diesen Weg eröffnet zu haben. Über Maxim Biller und Mainstreamphilosophie wird demnächst noch zu sprechen sein.

Freitag, 30. Oktober 2009

District 9 - Sommerhit! Zurecht?

Destrict 9 war der Überraschungserfolg des Kinosommers 2009. Mit Produktionskosten von ca. 30 Mio. US-Dollar spielte der Film geschätzt $115.238.926 alleine in den Vereinigten Staaten ein (Quelle: IMDb). Das ist ein enormer Erfolg, die Gewinnspanne erinnert an die Klassiker dieser Art: "Blair Witch Projekt","Cloverfielt"oder" "Rec". Destrict 9 ist allerdings nicht durchgehend mit der Handcamera gefilmt. Nur zeitweise entsteht so eine Art szenische Dokumentation, wenn der Protagonist Wikus durch den Destrikt der Aliens geht, wie durch ein Gefangenenlager oder das Ordnungsamt in einem Vorort Mexikos.
Bei einem Film der so unerwartet durchstartet muss mehr daran sein als Peter Jacksons Name, der den Film mitproduzierte. Oder aber weniger... Das Internet - Feuilleton schickt eine Kritik nach der anderen heraus. Es werden Meinungen publiziert, die ambivalenter nicht sein könnten. Von "verdienter Überraschungserfolg" bis hin zu "unauthentischer Möchtergern-Alleskönner"reicht hier das Spektrum der Kritiken. Schlussendlich dürfte diese Publizistik ,ob positiv oder negativ, dafür sorgen, dass Destrict 9 nicht Neill Blomkamps letzer Film war.
Der Film erzählt einen spannenden Plot, der so gesellschaftskritisch mit derart realistischen Parallelen, noch nicht erzählt wurde. Im Jahr 1983 hält ein Raumschiff über der sudafrikanischen Stadt Johannesburg an. Die Aliens größtenteils verwirrt und unterernährt, werden auf die Erde umgesiedelt in einen Destrikt, in dem sich schnell slum-ähnliche Bedinungen entwickeln. Die Anzahl der Aliens ist für die zuständige Organisation der MNU nicht mehr überschaubar. Bei einer großen statistischen Erfassungsaktion versucht der zuständige Chef Wikus, gerade kürzlich befördert und ambitioniert bei der Arbeit, die Aliens für eine Umsiedlung vorzubereiten. Schon allein in dieser Szene zeigt sich, dass dieser Film etwas anderes sein will als ein plumper Actionstreifen. Die Aliens sind wahnsinnig gut animiert. Die Darstellung ihres Wohnbereichs, ihrer Lebensverhältnisse, als Rasse die auf der Erde nichts verloren hat, die man ernähren muss, die sich pausenlos vermehrt und niemandem etwas nützt, das ist keine Allegorie, wie der Rezensent von ManbeisstFilm meint. Präziser gesagt, ist es eine Parabel. Ein Lehrstück auf das Anderssein. Auch wenn der Film bis zum Schluss actionreich bleibt, ist seine Kernaussage stets virulent. Er plädiert für eine universalistische (kosmische) Ethik. Bei der wichtigsten Kehre des Films, deren Pointe ich hier nicht vorwegnehmen will, analysiert Blomkamp was es bedeutet anders zu sein. Auch wenn gezeigt wird, wie sich der Hass derjenigen artikuliert, die eigentlich am Rande der Gesellschaft stehen und die plötzlich ein klar umrissenes Feindbild haben, wird der Film zu einem gnadenlosen Politikum. Und er ist darin auch authentisch.
Die benutzten Symbole sind allegorisch. Sie dienen dazu die realen Situationen und die filmischen zu parallelisieren. Diese Allegorien sind vielleicht weniger versteckt als es in einem Artkino-Film der Fall gewesen wäre, aber auch das macht den Film lebendig und gleichzeitig unterhaltsam. Die Kernaussage ist so offensichtlich, gleichzeitg überhaupt nicht banal, dass sie an die Nieren geht.
Ich empfehle den Film alleine weil er sich bewusst ist, darüber was er will und was er kann, und das konsequent darstellt ohne sich zu verlieren. Es ist ein Ausnahmefilm, eine Geschichte die so schonungslos noch nicht erzählt wurde und die auch deshalb authentisch bleibt, weil sie nicht versucht die Sachverhalte bis in kleinste pseudowissenschaftlich zu sezieren.
Das wird jetzt in die öffentlich Publizistik keinen Konsen bringen, aber den will man auch garnicht, sonst gelangt man nur zu den Sterilisierungsbädern öffentlicher Meinungen (Sloterdjik).













Dienstag, 27. Oktober 2009

Kennt ihr das ???




Sich selbst cool genug zu sein....!?



Hoffentlich nicht !

Gefunden auf: http://facehunter.blogspot.com/

Sonntag, 11. Oktober 2009

Robert Frost - Fire and Ice

Da ich selbst im Moment verhindert bin und nicht zum schreiben komme, damit es hier aber trotzdem etwas Neues zu lesen gibt; ein Gedicht von Robert Frost aus einer Sammlung von Lars Vollert, die 2002 bei Langewiesche-Brandt erschienen ist.
Die deutsche Übersetzung kann das Reimschema nicht originalgetreu beibehalten ohne den Sinn zun verfälschen, deshalb hier die schönere englische Variante.

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I've tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had perish twice,
I think i know enough of hate
To know that for destruction ice
Is also great
And would suffice.

Robert Frost, Lars Vollert(Hrsg.); Promises to keep, selected Poems, Ebenhausen/München 2002

Possession - Ein vergessenes Juwel




"Possession" ist der vierte Film des polnishen Regisseurs Andrzej Żuławski aus dem Jahr 1981. Der Wikipedia - Artikel verrät nicht einmal die Handlung in groben Zügen. Er besteht aus nur drei Sätzen. Wer den Film bei Amazon bestellen will, muss sich mit der spanischen DVD für ca. 30€ abfinden. Die deutsche Version der DVD ist fast nirgendwo mehr zu bekommen. Dabei ist "Possession" ein Meisterwerk, das längst Kultstatus und mehrfach Auflagen verdient hätte. Hauptdarstellerin Isabelle Adjani erhielt für ihre Rolle die Auszeichnung als beste Schauspielerin in Cannes. Żuławski erhielt für sein Werk die Goldene Palme. Nun ist Cannes nicht der Nobelpreis, was heißt, dass man daraus durchaus die hohe Qualität des Films ableiten kann.
In Westberlin gedreht, erzählt "Possession" die Geschichte eines Ehepaars, die sich nach längerer Dienstreise Marks (Sam Neill) widersehen. Anna eröffnet ihrem Mann, dass sie ihn , während seiner Abwesenheit, betrogen habe. Zunächst versucht Mark die Beziehung zu retten und so gut als möglich seinen Sohn von den Streitigkeiten fern zu halten. Es stellt sich heraus, dass ihr erster Liebhaber, ein russischer Tänzer, kaum noch Kontakt zu ihr hat. Dennoch verschwindet Anna immer wieder und bleibt für Abende weg. Es muss also noch einen Dritten geben... Mark setzt verzweifelt einen Detektiv auf seine Frau an, der wenig später ermordet wird.
Sam Neill und Isabelle Adjani sind ihren Rollen so gewachsen, dass die Intensität der zu Beginn sich immer mehr steigernden Eifersuchtsproblematik, mit der Mark alleine gelassen wird, unglaublich greifbar wird. Man spürt förmlich seine Zerissenheit am eigenen Leib. Irgendwann rastet er aus und schlägt Anna, und in diesem Moment ertappt man sich zu denken, sie habe das auch wirklich verdient. Im Zentrum stehen die beiden Hauptdarsteller, immer wieder werden Nahaufnahmen ihrer Gesichter, ein gekränkter Mark, dessen verzweifelter leerer Blick Mitleid erregt, und eine besessene Anna, deren tiefe dunkle Augen in den Schlund der Hölle blicken lassen. Isabelle Adjani wächst in ihre Figur hinein. Man merkt es, wenn ihr sie ihr Verhältnis zum Glauben erläutert und immer wieder den Zuschauer anblickt, um zu zeigen, was es heißt mit dem Teufel zu paktieren. Eine dionysische Freiheit und erotische Erfüllung auf der einen Seite und eine folgenschwere blutige Bürde auf der Anderen. Das macht Angst, man wird angesehen und bekommt gesagt, dass jeder von uns durch die Schranken eines bürgerlichen Lebensstils in den Wahnsinn getrieben werden kann. Es gibt keinen Gott der einen vor der Erotisierung des advocatus diaboli schützt. Im übrigen ist die echte Mauer im Film für die angesprochenen Schranken eine widerkehrende Metapher.
Man kann kaum glauben, dass Adjani diesen Blick nach der Zeit am Set ohne Probleme wieder los bekommen hat. Er ist zu authentisch. Sie selbst gebährt in einer verstörenden Szene ein Monstrum, dass sie zuvor im Geiste erschaffen hat. Ja, in gewisser Weise ist Anna sie selbst. In dieser Szene zeigt sich die Genialität ihrer Darstellung, wenn sie wie eine Furie durch eine verlassene U-Bahn Station hetzt. Auf das Schlimmste mit Sehnsucht wartend. Der Film trägt surrealistische Züge und hat sicherlich mehrere Interpreationsebenen. Wer sich mit Filmen von Cronenberg oder Lynch anfreunden kann, wird hier nicht enttäuscht sein. "Possession" ist ein Kunstfilm, der einen nicht unterhalten will. Streckenweise ist er brutal, nicht zu ausladend, und manchmal verstörend. Dem Zuschauer wird es hier nicht leicht gemacht. Die Bilder heften sich ins Gedächtnis und mehr als einmal bleibt einem der Mund offen stehen, ansonsten wäre ich auch um diese Uhrzeit nicht mehr wach. Wer sich 2 Stunden Zeit nimmt um sich in die Abgründe der menschliche Psyche zu begeben und die Frage nach dem Glauben stellt oder was passiert, wenn zwei emotionale Menschen kollabieren, wird "Possession" lieben. Er ist ein vergessenes Juwel.













Donnerstag, 8. Oktober 2009

Warum Simon Bookish Ruhm verdiente







Sein erstes und bisher einziges Album; "Everything Everything" erschien Oktober 2008. Ich wüsste nicht, dass sich seither um den talentierten Musiker des deutschen Labels "Tomlab" etwas getan hätte. Allerdings fragt man sich; warum eigentlich nicht!? "Everything Everything" füllt eine Lücke. Es verknüpft spielerisch elektronische, poppige und jazzige Elemente zu einem wirklich großen, fast wahnsinnig machenden, Spaß. Martin Büsser nennt das "Erwachsenen-Pop", und nichts ist falscher als das. Dafür ist dieses Album zu bunt, zu schrill. Es ist das Medium eines "new sense of humour". "Everything everything" ist so facettenreich, dass man kaum Zeit findet um inne zu halten und auf all die verspielten Details zu achten, die darin versteckt wurden. Der Text von "Carbon" scheint auf den ersten Blick völlig sinnlfrei. Doch man erschrickt fast, wenn sich hinter den, nach Plastikkeyboard und 80's Synthiepop klingenden Tönen, eine haarscharfte Analyse des Zeitgeistes entwickelt, die Aufdeckung einer neuen snobistischen Bionik. Eine ganze Kaste junger westlicher Männer wird hier demaskiert. In "A crack in larson C" horcht man der Geburt eines Waisenkindes zu, geht still seinen Weg in der Einsamkeit, in der Besonderheit seines Daseins, um am Ende mit der Wucht kollidierender Planeten auf die Einsamkeit der Sterne aufmerksam gemacht zu werden. Sie sind die mächtigsten Waisen dieses Universums. Dieses Lied erzeugt eine ungewöhnliche klaustrophpobische Dichte und scheint so garnicht zum Rest des Albums zu passen. Und doch tut es genau das. Keine klare Linie, keine Führung, keine Eltern, kein gutes Ende, und auf keinen Fall Erwachsenen-Pop, weil auch keine Langeweile und keinen Geschmack.
Official Homepage Simon Bookish


Mittwoch, 7. Oktober 2009

Überspitzte Analyse contra philosophische Correctness

Eines der gegenwärtig interessantesten Intellektuellenduelle wird in den Feuilletons der "FAZ" und der "Zeit" geführt. Die Kombattanten sind der ebenso bekannte wie berüchtigte Rektor der Karlsruher Hochschule für Gestaltung Peter Sloterdijk und der Habermas - Schüler Axel Honneth, ebenfalls Professor der Philosophie in Frankfurt. Einen Karlsruher verfolgt das Gefecht bis in die Lokalpresse. Die Bruchsaler Neueste Nachrichten veröffentlichten am 27.09. einen Artikel im Kulturressort, der sich natürlich nicht allzu offensichtlich vom Karlsruher Vorzeigeprofessor distanziert. Wir sollten an einer anderen Stelle noch die Frage stellen, ob Karlsruhe eines solchen Intellektuellen überhaupt bedarf. Nun aber zurück zur Philosophen-Fehde. Alles begann mit einem Artikel Sloterdijks zur Revolution der gebenden Hand in der FAZ vom 13. Juni diesen Jahres. Sloterdijk referiert über die fälschliche Konnation des Kapitalismusbegriffs nach Marx und den Missbrauch durch marxistische Anhänger als Kampfbegriff. Die Wirtschaft ist für ihn vielmehr konstituiert durch das Gläubiger - Schuldner Verhältnis. Eine Beziehung die dem abendländischen Denken aus einer metaphysischen Projektion bekannt ist. "[...] die faustische Unruhe des ewig getriebenen Unternehmers ist der psychische Reflex des Zinsstresses." (P.Sl.) Ehemals war der Zinsstress die Hypothek der Erbsünde, die durch Kastanei und physischen Verzicht abgezaht wurde. Sloterdijk rührt hier wieder an den Archetypen christlicher Mentalität. In "Zorn und Zeit" (2006) konnte er die historische Wende dieses Bildes durch den platonistischen "Thymos"-Begriff überbrücken. Nun fokussiert er die Aktivitäten des Staates. Wer die Gläubiger - Schuldner Relation verstehen will muss den modernen Staat näher betrachten. Der moderne "kleptokratische" Staat ist die größte Nehmermacht. Er kultivierte eine Enteignung auf einkommenssteuerlicher Basis, die einem sozialistischen Ideal kaum nachsteht. Sloterdijk definiert die soziale Marktwirtschaft neu, als einen "steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage". Unter anderem sprechen Höchststeuersätze von fast 50%, die den "Erfolg bestrafen", und eine staatliche Schuldenpolitik, die eine eindeutige Äquivalenz von Fiskus und Unternehmswirtschaft zulassen, für Sloterdijks Fazit.
Axel Honneth sah darin allerdings eine klare Absage an die soziale Marktwirtschaft. Er veröffentlichte seinen Gegenstandpunkt in der Zeit vom 24.09. Einer lustlosen Analyse der sloterdijkschen Leserschaft, die gekünstelt und pseudopathologisch daherkommt, folgt eine allerdings ernstzunehmende Argumentation contra Sloterdijks Beitrag zur aktuellen Wirtschaftssituation. Wir wollen hier eingestehen, dass der Sozialstaat seinen historischen begründeten Sinn hat und Sloterdijk einen Anspruch auf revolutionäre Umgestaltung, sofern man sie ernst nimmt, dieses Staates äußert. Für diejenigen, die den sozialstaatlichen Institutionen ehrergiebig und respektvoll gegenüberstehen, ist dies eine Anmaßung. Allerdings stellen sich hier mehrere Fragen.
1. Will Sloterdijk ernstgenommen werden?
Seinem öffentlichen Antwortbrief vom 27.09 ist zu entnehmen, dass er Honneth den Humor abspricht, der ihm anscheinend beschieden ist. Er will es also nicht. Auch wenn sein Anwortschreiben durchaus sachliche und inhaltliche Erwiderungen beinhaltet ist dort zwischen den Zeilen zu lesen; "Mach doch keine Diskussion daraus. Ich wollte euch doch nur ein bisschen reizen und ein paar interessante Möglichkeiten, die doch nicht zwangsläufig Wirklichkeiten sein müssen, darlegen."
Denn nun stellt sich Frage 2; "Kann man eine philo-politische Diskussion diesen Ausmaßes in einem Feuilleton bestreiten?". Sicherlich nicht. Der mangelnde Platz, lässt Interpretationspielräume. Das Gesagte ist nie alles was zu sagen wäre und eine stringente Argumentation ist für den Rahmen eines Zeitungslesers auch keineswegs gewünscht.
Allerdings stellt sich nun die 3. Frage, warum Peter Sloterdijk dem franfurter Kollegen, wenn er all dies bereits erkannt hat, solche Spitzen zutreibt. Da ist von Desinteresse, Humorlosigkeit, mangelnder Originalität und Müdigkeit die Rede. Sloterdijk hatte schon einmal für eine langwährende Feuilletondebatte gesorgt nach seinem Vortrag "Regeln für den Menschenpark". Auch hier goß er immer wider Öl ins Fehdefeuer. Dass Peter Sloterdijk ein überheblicher Philosoph ist zeigen auch solche Gesten:



Wobei hier wahrscheinlich den meisten, auch den couragiertesten, Kollegen der Kragen geplatzt wäre. Keiner hätte allerdings dermaßen abwertend reagiert.
Sofern ER sein Werk richtig versteht, appellieren wir hier an P. Sloterdijk, er solle doch anerkennen, dass seine Philosophie, wenn zwar nicht ernst gemeint, doch ernsthafte Objekte zum Gegenstand hat. Einen aufgewühlten Kollegen deshalb zu degradieren, weil er die unsystemathische und poetische Bearbeitung der Themen, den "Modus des Philosophierens" so Sloterdijk, für unzulänglich hält, ist äußerst unangebracht. Sloterdijk hat keinen Grund deshalb gekränkt zu sein.

Hier zeigt sich ein fundamentaler und unüberbrückbarer Aspekt der immer dann auftritt, wenn eine avantgardistisch - verspielte Philosophie á la Sloterdijk auf akademische Filigranheit und philosophische Exaktheit trifft. Einige Nietzscheaner kämpfen mit diesem Umstand noch heute. Ob es philosophische Exaktheit gibt, kann hier nicht geklärt werden, aber dass der feuilletonistische Rahmen keine hinreichende Plattform darstellt ist eindeutig.
Hans Ulrich Gumbrecht machte diesen unüberwindbare Graben an den Personen fest; Sloterdijk will Autor sein, sein Schlag wird Moderator von Philosophiesendungen im Fernsehen, Honneth will Wissenschaftler sein, sein Schlag wird vom Bundestag in die Ethikkommission berufen ("Zeit" 1.10.09).
Es bleibt noch einen Appell an Axel Honneth zu richten. Da Peter Sloterdijk selbst schon lange nicht mehr bei der akademischen Zunft hofieren will, da er es nicht für nötig hält, sollte sich die Zunft auch nicht mehr um einen Autor seines Schlages bemühen. Schon garnicht mit energetischen Publikation zwei Monate zu spät, wenn der Sturm längst vorüber ist.
Allen anderen sei die kritische Sloterdijk - Lektüre ans Herz gelegt. Überspitztheit kann für eine konstruktive Analyse auch erbaulich sein.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Aller Anfang

Dieser Blog verdankt seinen Namen den wunderbaren geistigen Ausflügen Martin Heideggers auf die Feldwege Meßkirchs. Es ist der Akt des heideggerschen Denkens, der sich dort vollzieht. Und schließlich ist bei diesem Dort im Moment des Denkens die Tür des Seins zu seiner Eigentlichkeit geöffnet. Die beste Art des Denkens ist das Fragen. Da jeder Martin und generell Jeder Feldwege haben sollte, möchte ich mir und Allen ein paar zugänglich machen. In der Hauptsache werden wir also als Fragesteller auf den Feldwegen wandern. Fragen macht an sich schon genug Freude, weshalb also Antworten. Die Objekte des Fragens sollen aktuelle oder vergangene, wichtige oder unwichtige, existenzielle oder banale, im Prinzip alle Themen die mich interessieren, sein. Das dürfte vielseitig genug werden, und wie gesagt, manchmal unwichtig und manchmal auch banal. Warum sollte irgendjemand einen solchen Blog brauchen?
Zum Einen ist Wandern eine erholsame Angelegenheit. Wenige nehmen sich Zeit zu wandern, viele laufen, dabei ist die Türe zur Eigentlichkeit allerdings nicht geöffnet. Manche laufen an der Türe vorbei. Sie sind zu schnell. Viele konzentrieren sich zu wenig auf wesentliches. Wesentliches kann es auch im Banalen geben. Viele laufen zu langsam. Dann ist der Weg nur noch Standort. Vielleicht freut man sich, beim wandern geführt zu werden. Vielleicht kann man neue Aspekte entdecken. Die unscharfe Brille ablegen und Spaß an Fragmenten gegenwärtiger Kulturlandschaften entfalten. Feldwege sind Biotope des Denken und man sollte sich die Zeit nehmen ihre Vorzüge und ihren Charakter kennenzulernen. Was eindeutig dagegen spricht; es gibt tausende solcher Blogs. Aber keiner ist von mir, das macht sie nur noch halb so gut.

Dass Heidegger seine Fragen (vorallem die der Ethik) unzureichend beantwortete, entbindet mich widerum von der Verlegenheit Antworten geben zu müssen. Man könnte also sagen, dieses Projekt versucht sich am philosopischen Journalismus oder an journalistischer Philosophie. Ich werde mich um poetische Dichte bemühen, damit das Lesen nicht allzu trocken wird. Und ab und zu werde ich auch privat, vermutlich.